1.FC Union Berlin - TSV München 1860
7. März 2010
Am Sonntag, den 20. Dezember 2009 kam es in der Alten Försterei zum ersten Pflichtspiel zwischen Union und Sechzig. Mit Temperaturen um 15 Grad unter Null war dies wohl die kälteste Partie, die ich je besuchte. Aufgrund der frühen Anstoßzeit um halb zwei fand ich mich mit meinen Bekannten (Unioner und Exil-Löwen) bereits gegen 11 Uhr in der “Abseitsfalle” zum Frühschoppen ein. Zu diesem Zeitpunkt war der Laden bereits rappelvoll - und wie mir attestiert wurde, kommt es selten vor, dass sich so viele Gästefans hier einfinden. Insgesamt eine sehr freundschaftliche Atmosphäre, so soll es sein!
Rund 2000 Löwenfans sind der Mannschaft zu dieser lang erwarteten Auswärtsfahrt nach Köpenick gefolgt. Im Stadion waren die Bierleitungen eingefroren und selbst der Glühwein wurde nur lauwarm serviert - davon abgesehen konnten sich jetzt endlich auch die Sechzger vom Ergebnis des wohl bemerkenswertesten Stadionprojekts der neueren geschichte überzeugen.
In einer ausgeglichenen Partie trennte man sich schließlich leistungsgerecht 1:1.
Torschützen: 1:0 Brunnemann (11.), 1:1 Pappas (36.)
Aufstellung 1860:
Kiraly, Rukavina, Felhi, Hoffmann, Ghvinianidze, Aigner (78. Biancucchi), Ludwig, Ignjovski, Pappas, Lauth (85. Mlapa), Rösler
Bukarest, Oktober 2009
7. März 2010
2. Oktober 2009
Juventus Bucureşti - Unirea Tărlungeni 2:1
Stadionul Juventus
Rumänien, 3. Liga
4. Oktober 2009
CS Otopeni - FC Bihor Oradea 2:2
Stadionul Otopeni
Rumänien, 2. Liga
4. Oktober 2009
Steaua Bucureşti - Gloria Bistriţa 1:1
Stadionul Ghencea, 8.000 Zuschauer
Rumänien, 1. Liga
4. Oktober 2009
Dinamo Bucureşti - Panduuri Târgu Jiu 1:1
Stadionul Dinamo, 2.500 Zuschauer
Rumänien, 1. Liga
6. Oktober 2009
Rapid Bucureşti II - Victoria Adunaţii Copăceni 3:1
Stadionul Comunal Chitila
Rumänien, 3. Liga
Die Löwen im Osten
22. November 2009Auswärtsspiele in Rostock und Cottbus
Als Löwenfan in Berlin hat man es erwartungsgemäß nicht leicht. Gleichgesinnte sind nicht gerade einfach ausfindig zu machen und lassen sich an einer Hand abzählen. Die Mehrzahl unserer Auswärtsspiele ist von Berlin aus mit noch längeren Fahrten und höheren Kosten verbunden als dies von München aus der Fall wäre. So kam es, dass ich die letzten Jahre mehr Partien von Eisern Union als von Sechzig gesehen habe.
Doch mit der Saison 2009/10 hat sich die Situation etwas gebessert: Rostock konnte den Abstieg in der Vorsaison gerade noch vermeiden, aus der 1. Liga kam Cottbus hinzu, und aus der neuformierten 3. Liga die Köpenicker. Drei vielverprechende Auswärtspartien, die allesamt in der Hinrunde angesetzt wurden - dankenswerterweise noch dazu am Wochenende, sodass auf etwas zahlreicheren Support aus der Heimat gehofft werden durfte.
Den Anfang machte gleich am 2. Spieltag Hansa Rostock im August. Die Löwen waren mit 3 Punkten in die Saison gestartet und die Zuversicht war - wie zu Beginn einer jeden Saison - mal wieder groß. Rund 480 Fans machten sich auf den Weg gen Norden, darunter auch die 5 Mann starke Berliner Abordnung. Bei angenehmen Temperaturen besuchten wir auf Empfehlung das Brauhaus Trotzenburg, das mit seinem Biergarten etwas heimatliche Gefühle aufkommen lässt, und wo man als Gästefan freundlich willkommen geheißen wird. Zudem liegt es strategisch günstig in Fußwegentfernung zum einstigen Ostseestadion.
Hansa Rostock - TSV 1860 2:1 (1:1)
DKB-Arena, 19.000 Zuschauer
2. Bundesliga, 15. August 2009
Bereits früh gingen die Hanseaten in Führung, doch die Löwen dominierten zu großen Teilen das Spiel. Benny Lauth gelang demnach auch in der 19. Minute der Ausgleichstreffer. Es wäre durchaus auch ein Sieg drin gewesen, doch musste man 11 Minuten vor Ende der Partie das 1:2 hinnehmen, womit die Sache dann auch erledigt war. Gut gespielt und trotzdem verloren. Aber noch war die Saison jung, und die dargebotene Leistung ließ uns zuversichtlich dreinschauen. Den ausführlichen Spielbericht gibt’s hier.
Statt Blocksperre nach dem Spiel hatte sich die Rostocker Polizei mal etwas etwas anderes ausgedacht: Wir pferchen einfach alle Sechzger, die zum Bahnhof wollen, bei sengender Hitze für eine dreiviertel Stunde in einen Linienbus und lassen sie ein bisschen schmoren. Nach einer gefühlten Ewigkeit endlich am Bahnhof angekommen, blieb selbiger für uns zunächst einmal verschlossen. Aus Sicherheitsgründen. Mittlerweile gut 2 Stunden nach Abpfiff gelang es uns dann in letzter Sekunde den Regionalzug nach Berlin zu besteigen, was aufgrund der Absperrungen der Anti-Terror-Einheiten eine wahre Meisterleistung war. Mit den heimreisenden Hansa-Fans aus der mecklenburgischen Provinz bzw. Hauptstadt wurden dann ein paar Bierchen gezischt und dumme Sprüche gewechselt. Geht doch auch so.
Drei Monate im November später fanden sich die Löwen nur knapp über den Abstiegsplätzen wieder, was aber auch nur daran lag, dass es tatsächlich noch schlechtere Mannschaften in dieser Liga gibt. Nur die ganz hart Gesottenen machten sich daher auf den langen Weg in die Lausitz. Rund 270 sollen es gewesen sein. Für unsere Truppe aus Berlin waren die 1 Stunde 40 Minuten im Regionalzug hingegen ein Katzensprung. Mit Ausnahme des Bahnhofkiosks gab es zwischen Ankunft und Stadion der Freundschaft keine weiteren Vergnügungsmöglichkeiten, sodass wir uns früher als sonst in den Stadionbereich begaben und uns an Vetschauer Wurstwaren labten. Glücklicherweise handelte es sich um eine der inzwischen rar gewordenen nicht als “Risikospiel” eingestuften Partien im Osten, sodass es zu unserer Freude auch kein Bierverbot gab.
Energie Cottbus - TSV 1860 1:0 (0:0)
Stadion der Freundschaft, 10.900 Zuschauer
2. Bundesliga, 8. November 2009
Das Spiel selbst passte sich dem nasskalten Novemberwetter ideal an: Eine langweilige Partie zweier schlechter Mannschaften, bei der keine ein Tor verdient hätte. Dass der Siegtreffer für die Cottbuser dann auch noch ausgerechnet durch einen Elfmeter fiel, war daher auch bezeichnend. Schwamm drüber. Mit einer derartigen Leistung sollte jetzt auch dem Letzten klar geworden sein, dass es diese Sasion einzig allein um den Klassenerhalt gehen wird.
Zu erwähnen bleibt nur noch das merkwürdige Gebahren der Cottbuser Ordnungskräfte. Ohne erkennbaren Grund formierten sich diese nach Ende des Spiels am Ausgang des Gästeblocks zu einem engen Spalier, durch das die Löwenfans getrieben wurden. Dass es dabei zwangsläufig zu Gedränge und Rempeleien kommen würde, durfte wohl dem Dümmsten klar gewesen sein. Offensichtlich handelte sich dabei um eine gleichwohl unnötige wie auch bewusst provozierende Maßnahme, um “zugreifen” zu können. Als einer der Ersten konnte ich den Gefahrenbereich verlassen und schoss einige Fotos von den Vorkommnissen - nicht zuletzt nachdem ich beobachtete, wie einige Fans ohne erkennbaren Grund herausgegriffen und abgeführt wurden. Plötzlich wurde ich von einem der Typen mit Thor-Steinar-Jacke unter dem gelben Ordnerleibchen zur Seite gedrängt, der sogleich seinen Arm um mich legte und zum Schwitzkasten ansetzte. “Speicherkarte löschen - oder ich führ dich ab!” lautete seine eindeutige Anweisung. Trotz der offensichtlichen Bedrohung widersprach ich aufs Heftigste - seit wann gibt es denn hier ein Fotografierverbot? - wurde aber letztendlich unter Aufsicht dazu gedrängt, sämtliche Bilder zu löschen, auf denen Ordner zu erkennen waren (also die letzen 4-5 geschossenen). Die Jungs werden schon wissen, warum sie unerkannt bleiben möchten.
EFW Oktoberfest 2009
30. Oktober 2009Am Wochenende vom 23.-25. Oktober trafen sich 32 Fußballfreunde zum “EFW Oktoberfest 2009″. Bei den Teilnehmern handelte es sich um lose miteinander bekannte Fans aus England, Belgien, Holland, Deutschland und Polen. Als Basislager wählten wir das niederländische Tilburg, von wo aus in drei Tagen vier Spiele in zwei Ländern besucht wurden. Das Ganze wurde abgerundet durch ein von Heiterkeit und Frohsinn geprägtes Rahmenprogramm.
Ausführliche Berichte und viele Fotos zu den Geschehnissen in und um die Stadien herum findet ihr im offiziellen Blog ‘European Football Weekends’:
FC Den Bosch 3-1 Fortuna Sittard
RW Essen 1-1 Preußen Münster
Vitesse Arnhem 0-2 Heracles Almelo
Willem II Tilburg 4-1 SC Heerenveen
Im übrigens sehr empfehlenswerten Blog ‘The Ball Is Round’ von Stuart Fuller lässt sich auch noch das wirklich gelungene Video zum Wochenende betrachten.
Insgesamt ein unvergessliches Wochenende. Besonders erwähnenswert ist das herzliche Willkommen, mit dem wir an unseren jeweiligen Zielorten empfangen wurden. Viele Grüße gehen an dieser Stelle natürlich auch an die tolle Truppe aus Brighton, Lewes, Forest Green, Barnet, Preston, Liverpool, Everton, Tranmere, Leeds, Antwerpen, Tilburg, Warschau, Köln und Rostock. Let’s do it again!
Der Sommer ist vorbei…
12. Oktober 2009Der Herbst zieht ins Land, und ich komme damit hoffentlich auch bald wieder dazu, das hier Alles auf dem Laufenden zu halten. Gar nicht so leicht, in Zeiten wie diesen.
Seit dem letzten Eintrag standen folgende Partien auf dem Programm:
6. Oktober 2009
Rapid Bucureşti II - Victoria Adunaţii Copăceni 3:1
Stadionul Comunal Chitila
Rumänien, 3. Liga
4. Oktober 2009
Dinamo Bucureşti - Panduuri Târgu Jiu 1:1
Stadionul Dinamo, 2.500 Zuschauer
Rumänien, 1. Liga
4. Oktober 2009
Steaua Bucureşti - Gloria Bistriţa 1:1
Stadionul Ghencea, 8.000 Zuschauer
Rumänien, 1. Liga
4. Oktober 2009
CS Otopeni - FC Bihor Oradea 2:2
Stadionul Otopeni
Rumänien, 2. Liga
2. Oktober 2009
Juventus Bucureşti - Unirea Tărlungeni 2:1
Stadionul Juventus
Rumänien, 3. Liga
20. September 2009
Hertha BSC Berlin - SC Freiburg 0:4
Olympiastadion, 38.176 Zuschauer
1. Bundesliga
12. September 2009
Nyköpings BIS - Eskilstuna City FK 0:0
Rosvalla Stadion
Schweden, Div. 2 Södra Svealand
22. August 2009
BFC Dynamo Berlin - Greifswalder SV 2:1
Sportforum Hohenschönhausen, 740 Zuschauer
Oberliga NOFV-Nord
21. August 2009
1.FC Union Berlin - Hansa Rostock 1:0
Alte Försterei, 17.500 Zuschauer (ausverkauft)
2. Bundesliga
15. August 2009
Hansa Rostock - TSV München 1860 2:1
DKB-Arena (Ostseestadion), 19.000 Zuschauer
2. Bundesliga
2. August 2009
1.FC Union Berlin - Werder Bremen 0:5
Alte Försterei, 18.955 Zuschauer (ausverkauft)
DFB-Pokal, 1. Runde
1. August 2009
Tennis Borussia Berlin - Karlsruher SC 0:2
Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion, 2.643 Zuschauer
DFB-Pokal, 1. Runde
25. Juli 2009
TSV München 1860 - RCD Mallorca 1:0
Grünwalder Stadion, 7.159 Zuschauer
Freundschaftsspiel (Giesinger Heimatabend)
8. Juli 2009
1.FC Union Berlin - Hertha BSC Berlin 3:5
Alte Försterei, 19.000 Zuschauer (ausverkauft)
Freundschaftsspiel zur Stadioneröffnung
10. Juni 2009
Mazedonien - Island 2:0
Gradski Stadion (Philip II), Skopje, 7.000 Zuschauer
WM-Qualifikation, Gruppe 9
6. Juni 2009
Albanien - Portugal 1:2
Qemal Stafa Stadion, Tirana, 13.320 Zuschauer (ausverkauft)
WM-Qualifikation, Gruppe 1
31. Mai 2009
FK Makedonija Gjorče Petrov - Renova Džepčište 1:1
Gjorče Petrov Stadion, Skopje
Mazedonien, 1. Liga
Italienisches Wochenende
19. Juli 200923. Mai 2009
FC Parma - Vicenza Calcio 4:0 (3:0)
Stadion Ennio Tardini, 10.645 Zuschauer
Italien, Serie B
Die Fakten sprachen eine klare Sprache: Himmelfahrtswochenende, vorletzter Spieltag der Serie A und B, Hin- und Rückflug nach Bergamo für 14(!) Euro. Und schon war die Entscheidung gefallen: Es geht zur Abwechslung mal nach Italien.
Nun bin ich wirklich kein großer Freund des italienischen Fußballs. Zuviele negative Assoziationen werden da bei mir geweckt: Defensiver, unattraktiver Ergebnisfußball, arrogante Spielertypen, viel Schauspielerei und versteckte Fouls, und von Überheblichkeit strotzende Fans. Dazu kommt die Eskalation der Gewalt sowie mafiose Verstrickungen zwischen Vereinen, der Politik, Wirtschaft und wer auch immer sonst noch seine Interessen vertreten sehen will. Daher verfolge ich die italienische Liga auch nicht annähernd in einem Maße wie ich das in anderen Ländern tue.
Dennoch zählt der italienische Fußball nach wie vor mit zum erfolgreichsten der Welt - wenn auch den europäisch spielenden Vereinsmannschaften nach und nach der Rang abgelaufen wird und der WM-Titel 2006, gelinde gesagt, sehr glücklich zustande kam. Nun muss ich ja nicht gleich alles mies machen, schließlich ist Italien auch die Geburtsstätte der Ultra-Bewegung und bekannt für fanatische Stimmung in den Stadien, welche für sich allein schon einen Flair der Achtziger Jahre versprühen. Zudem spricht ja nichts gegen einen Kurzurlaub bei hervorragender Küche und sommerlichen Temperaturen.
Am Donnerstagnachmittag in Bergamo (auf ryanairisch als Mailand bezeichnet) eingetroffen, hatte ich zunächst zwei fußballfreie Tage zu überstehen. Nach gemäßigten Sightseeing-Aktivitäten und einem Treffen zum Pizzaessen mir einer Kollegin in Mailand, ging es am Samstagmorgen mit dem Zug nach Parma. Die Nahverkehrszüge Italiens sind ziemlich marode, verschmutzt und auch die Klimaanlage (sofern vorhanden) funktioniert nicht immer. Aber die Fahrpreise zählen zu den niedrigsten in Westeuropa: ein schlagkräftiges Argument für einen Budget-Reisenden wie mich. Wollen wir also nicht meckern.
Parma selbst ist eine wunderschöne Stadt, Bilderbuch-Italien par excellence. Der einst international spielende AC Parma musste 2004 Konkurs anmelden, und nur durch eine schnell eingebrachte Gesetzesnovelle und eine Neugründung unter dem Namen FC Parma, konnte die Liquidation vermieden und der Spielbetrieb aufrechterhalten werden. Man fand sich schließlich in der 2. Liga wieder, und gerade am vorangegangenen Spieltag konnte auswärts der Wiederaufstieg eingetütet werden. Nun stand das letzte Heimspiel der Saison an, was einen Ansturm auf die Tickets und eine große Aufstiegsfeier versprach. Eine Stunde vor Öffnung der Kartenhäuschen bildeten sich bei gut 34 Grad im Schatten die ersten Schlangen. Zu diesem Zeitpunkt waren die günstigeren Tickets für die Curva längst im Vorverkauf über den Tisch gegangen, sodass ich 30 Euro für einen Tribünenplatz hinblättern musste. In Folge der gewalttätigen Ausschreitungen der letzten Jahre werden Eintrittskarten nur noch personalisiert verkauft, d.h. man muss unbedingt seinen Ausweis dabei haben, da der Name registriert und aufs Ticket gedruckt wird. Gästekarten gehen am Spieltag grundsätzlich nicht mehr in den Verkauf. Soviel zum administrativen Aufwand. Rund ums Stadion ist viel Polizei zugegen, außerdem herrscht ein striktes Alkoholverbot im und ums Stadion herum. Bei der Hitze konnte ich ausnahmsweise auch gerne mal auf den Gerstensaft vor dem Spiel verzichten.
Das Stadio Ennio Tardini ist ein richtiges Fußballstadion, sehr kompakt, mit zwei überdachten Sitzplatztribünen an den Seitenlinien und den Stehplatzbereichen hinter den Toren. Der Gästebereich beschränkte sich auf eine kleine Ecke hinter einem der Tore, der Rest der Stehplatzränge auf dieser Seite, der rund 3000 weiteren Fans Platz geboten hätte, musste leer bleiben. Schade, denn somit war das Stadion zwar ausverkauft, aber eben nicht voll. Die Parma-Fans legten gleich gut los mit lauten Gesängen, einer ansehnlichen Choreographie, viel Konfetti und Rauch. Von meinem 30-Euro-Platz aus hatte ich beste Sicht auf Spielfeld und Kurve, und spätestens jetzt bereute ich keine Minute mehr, dass ich mich für die überdachte Variante entscheiden musste. Der Schweiß und das Acqua minerale flossen in Strömen, und ich weiß nicht, ob ich auf einem Stehplatz in der prallen Sonne nicht etwa kollabiert wäre. Bin schließlich auch nicht mehr der Jüngste.
Alles war zubereitet für eine große Party. Auf dem Platz setzten die Blau-Gelben zu einem Schaulaufen an und führten zur Pause bereits souverän 3:0. Zur zweiten Hälfte wechselte ich meinen Platz und begab mich in den Block neben den paar Hundert Gästefans aus Vicenza, die stimmlich zwar kaum mithalten konnten, aber immer wieder zu beleidigenden Gesängen ansetzten, was umgehend entsprechend beantwortet wurde. Parma machte weiter, wo es in der 1. Hälfte aufgehört hatte, und zwar mit dem Toreschießen. Mittlerweile fiel das 4:0. So hätte es weitergehen können.
Doch dann kam es zu einem tragischen Zwischenfall. Etwa 20 Minuten vor Ende der Partie stürzte ein Vicenza-Anhänger von der Tribüne ca. 6 Meter in die Tiefe. Ein Aufschrei ging durchs Publikum, der sofort jeden (einschließlich Spieler und Schiedsrichter) erstarren ließ. Sofort war jedem klar - auch den vielen, die es nicht selbst beobachteten - dass hier etwas Schreckliches passiert sein musste. Der Schiri unterbrach die Partie und panisch wurde versucht, so schnell wie möglich Sanitäter und Helfer herbeizuholen. Der Schwerverletzte wurde schließlich in die Notaufnahme transportiert, und das Spiel blieb für weitere 20 Minuten unterbrochen. Die Vicenza-Fans waren außer sich, dass die Partie nicht abgebrochen wurde. Und letztlich stimmten auch die Parma-Fans Sprechchöre an, die einen Spielabbruch forderten. Als dann offensichtlich die Meldung eintraf, dass der Verletzte noch am Leben sei, pfiff der Unparteiische wieder an.
Gut ein Drittel der Zuschauer verließ daraufhin unter Protest das Stadion. Die Vicenza-Anhänger zogen geschlossen ab. Plötzlich herrschte gespenstische Stille, keinem war mehr zum Feiern zumute. Auch die Akteure auf dem Platz hatten keine Lust mehr auf Fußball und spielten sich gegenseitig den Ball im Mittelfeld zu. Die Zeit bis zum erlösenden Abpfiff schien eine Ewigkeit zu dauern.
Eugenio Bortolon, 19 Jahre, verstarb noch am selben Tag im Krankenhaus. Ein Tag, der so schön begann, endete in einer furchtbaren Tragödie. Und plötzlich relativierte sich alles wieder.
24. Mai 2009
Atalanta Bergamo - US Palermo 2:2 (0:1)
Stadio Atleti Azzurri d’Italia, 10.669 Zuschauer
Italien, Serie A
Der Übergang zum nächsten Spiel am darauffolgenden Tag fällt mir nicht leicht. Aber schließlich muss es weiter gehen. Am Sonntag war die Serie A dran, in San Siro trat der AC Milan gegen AS Roma an, und wäre eine Option gewesen. Sportlich sicher höherwertig als Atalanta gegen Palermo, aber den gigantischen Giuseppe-Meazza-Tempel kannte ich schon. Und irgendwie schreckten mich auch die Touristen aus Kanada oder Japan ab, die ich in diesen Tagen traf und die noch nie in ihrem Leben ein Fußballspiel besucht haben, aber einen Besuch beim AC Milan auf ihrer Sightseeing-Agenda hatten.
In Bergamo hingegen erwartete mich ein etwas ursprünglichers Fußballerlebnis. Im Ticket Office konnte ich mit rudimentärem Italienisch verständlich machen, was mein Begehr war, und legte meinen Personalausweis zur Registrierung vor. Die hübsche Kartenverkäuferin erklärte mir daraufhin in astreinem Deutsch, welche Karte wieviel kostet, wo die Gäste stehen und welche Ecken man lieber meiden sollte. Dabei kam ein Stehplatz für 14 Euro raus.
An diesem Sonntag war es dann noch einen Tick heißer als am Vortag, doch dafür gab es in der Kurve kein einziges schattiges Plätzchen. Ich positionierte mich also ganz oben, wo ich zwar weit vom Spielfeld weg war, aber immerhin gelegentlich eine leichte Brise für etwas “Abkühlung” sorgte (dieses Wort ist eigentlich völlig fehl am Platz). Das Stadio Atleti Azzurri d’Italia ist nicht ganz so kompakt angelegt wie das in Parma, wenn auch dankenswerterweise auf eine Aschenbahn verzichtet wurde. Jedenfall ein weiteres richtiges Fußballstadion, wie man es früher gewohnt war. Zudem am Südrand der Alpen gelegen mit schönem Bergpanorama im Hintergund.
Sportlich ging es am vorletzen Spieltag nur noch bei Palermo um etwas, das bei einem Sieg und gleichzeitigen Niederlagen der Konkurrenz noch auf einen Europa-Liga-Platz hoffen durfte. Doch daraus wurde nichts. In einem abwechslungsreichen Spiel, das keinen Sieger verdiente, bekam ich ein Untschieden mit vier Toren zu sehen. Auch supportmäßig war wieder das volle Programm geboten: Blockfahnen, Choreographien, Rauchbomben und lauter Gesang.
Der Abend wurde traditionell bei Pizza und Rotwein beschlossen, bevor es zeitig zu Bett ging. Denn am nächsten Morgen hieß es um halb fünf raus aus den Federn, Rückflug nach Berlin und direkt ins Büro.
The Old Firm - die Mutter aller Derbys
18. Juli 20099. Mai 2009
Glasgow Rangers - Glasgow Celtic 1:0 (1:0)
Ibrox Park, 50.321 Zuschauer
Scottish Premier League
Die gute Nachricht zuerst: Das Spiel fand statt. Ganz im Gegensatz zu meinem Versuch das Old Firm Derby in der Vorjahressaison zu besuchen. Da für dieses Spiel keine Tickets in den freien Verkauf gehen, muss man entweder die richtigen Leute kennen oder ein überteuertes Hotel-mit-Ticket-Paket kaufen, wozu ich mich letztlich auch hinreißen ließ. Zumindest der 40-Euro-Flug nach Edinburgh und die beiden anderen Nächte im Hostel machten den Trip finanziell erträglich.
Am viertletzten Spieltag standen die Rangers mit einem Punkt vor Celtic. Durch einen Sieg hätte Celtic vorbeiziehen und die Meisterschaft klar machen können. Selbst ein Unentschieden hätte reichen können, vorausgesetzt man entscheidet die restlichen Partien für sich. Leider aber kam es ganz anders.
Das Wetter war richtig schottisch: sehr wechselhaft, viel Wind und Regen, zwischenzeitlich scheinte die Sonne durch. Anpfiff war bereits um 12.30 Uhr, sodass ich mich gleich nach einem ausgiebigen Inselfrühstück, das locker den Cholesterinspiegel für die nächsten zwei Wochen hebt, per U-Bahn in den Glasgower Westen Richtung Ibrox machte. Mir fiel gleich auf, dass nur Fans der Rangers unterwegs waren. Spätestens jetzt erwies es sich als vernünftige Entscheidung neutral gekleidet zu sein. Die Gäste aus dem Osten der Stadt kamen allesamt in gecharterten Bussen und Großraumtaxis angereist. Hier in Glasgow ist es wohl besser, man begegnet dem Feind nicht auf der Straße oder dem Bahnhof.
In Ibrox angekommen - mittlerweile schüttete es aus Kübeln - begab mich sogleich auf die Gästetribüne, den Broomloan Stand, den ich mir mit rund 8000 Grün-Weißen teilte. Großartige Stimmung, sehr lautstark, optisch unterstützt durch tausende kleine irische Tricolores, die zuvor verteilt wurden. Beim Einlaufen der Mannschaften stieg der Lärmpegel auf ein Maß wie ich es noch nicht erlebt habe. Heute ein Sieg auswärts beim größten aller Rivalen und wir sind Meister!
Die Hoops taten sich aber schwer. Es gab auf beiden Seiten ein paar wenige gute Gelegenheiten, aber insgesamt konzentrierte sich das Spiel aufs Mittelfeld. Bis dann in der 35. Minute Davis für die Gastgeber traf. Die Rangers-Fans flippten aus, obszöne Gesten und hämische Gesänge in ohrenbetäubender Lautstärke, und sogar eine in britischen Stadien unübliche Rauchbombe, die in unmittelbarer Nähe unserer Tribüne gezündet wurde.
Die Celts drängten nun auf den Ausgleich, am besten noch vor der Pause. Und immerhin blieb noch eine weitere Halbzeit, um das Spiel zu drehen. Das gelang aber nicht. Dementsprechend groß war die Enttäuschung. Jeder spürte, dass nach drei Meistertiteln in Folge nun wieder die anderen an der Reihe sein dürften. Es blieb nur noch die kleine Hoffnung auf einen Ausrutscher in den letzten drei Spielen. Da man aber selbst nicht vorlegen konnte, blieb das unerheblich. Celtic gewann zwar die nächste Partie gegen Dundee 2:1, kam aber in den verbleibenden zwei Spielen gegen die beiden Edinburgher Teams der Hibernians und der Hearts jeweils nicht über ein 0:0 hinaus.
Nach dem Verlassen des Stadions wurden die Celtic-Fans von der Polizei erstmal auf einen 2 km entfernten Parkplatz getrieben. Es dauerte über eine Stunde bis ich wieder ein öffentliches Verkehrsmittel erreichte. Ich fuhr umgehend nach Parkhead im Osten der Stadt, der Hochburg der Celts, wo man im Gegensatz zu Govan als Gast gerne gesehen ist. Die Häuser fast alle durchgehend mit Celtic-Fahnen geschmückt und großer Betrieb in den Kneipen. Es wurde noch viel gesungen und getrunken.
Die restliche Zeit in Glasgow nutzte ich noch zu einem Besuch im wirklich sehenswerten Scottish Football Museum sowie Stadiontouren im Hampden Park und bei Celtic. Die Stadiontour im Celtic Park wurde übrigens von Dixie Deans geleitet, erfolgreichster Torschütze der 70er Jahre (132 Treffer in 184 Spielen). Ein sehr netter Mensch, bei dem mann spürt, dass er mit Herzblut bei der Sache ist, und der sich per Handschlag von mir verabschiedete und sich bedankte, dass ich den langen Weg zum Derby angereist war.
Stippvisite in Stettin
18. Juli 20093. Mai 2009
Pogoń Szczecin - Polonia Słubice 1:1 (0:0)
Stadion Florian Kryger, 2500 Zuschauer
Polen, II. Liga Zachodnia (West)
Der Mai begann ganz unverhofft mit einem Besuch in Polen. Und das kam so: Danny Last von European Football Weekends war mit seiner Truppe aus Brighton für ein paar Tage auf Tour in Deutschland. Nach Rostock und Wolfsburg sollte am Sonntag ein Spiel der Berliner Oberliga besucht werden. Zur Auswahl standen Reinickendorf und Spandau, was ja durchaus ganz gemütlich hätte werden können. Doch die Option stattdessen mit dem Zug ins 2 Stunden entfernte Stettin zu fahren, um dort den einstigen Europacup-Teilnehmer Pogon Stettin zu sehen, überzeugte alle Teilnehmer unserer fünfköpfigen Reisegruppe im Handumdrehen.
Die Herren aus England erschienen nach zwei durchzechten Nächten ziemlich angeschlagen und bleich im Gesicht zum Treffpunkt am Berliner Hauptbahnhof. Nach der Anwendung bewährter Hausmittel in Form von Flaschenbier konnten die ersten Wehwehchen gelindert werden. In Stettin angekommen erwartete uns ein schöner Frühsommertag. Im Biergarten des Columbus Pub, mit schöner Aussicht auf die Oder und den Hafen, kam dann neben einem üppigen Mittagsmahl auch die Bosman-Regelung zum Einsatz. Die Produkte der lokalen Brauerei Bosman werden nämlich zu rund 1 Euro den halben Liter unter die Leute gebracht, was letztlich nicht nur meine englischen Freunde begeisterte. Und so schön es auch war, irgendwann mussten wir dann doch zum Stadion aufbrechen. Mit der Straßenbahn, die in ihrem letzten Leben noch in Berlin im Einsatz war, ging es zum Ground, wo eine Stunde vor Anpfiff nicht gerade viel los war. Einlass wurde uns für 2 Euro gewährt. Für einen Euro mehr hätten wir auch unter die überdachte Haupttribüne gedurft, worauf wir aber verzichten konnten.
Pogon spielt in der Saison 2008/09 nach einigem sportlichen wie finaziellen Auf und Ab mittlerweile nur noch in der dritthöchsten Spielklasse, stand aber bereits als Aufsteiger fest. Das hufeisenförmige, 18.000 Zuschauer fassende Stadion Florian Kryger war leider nur schwach besucht, und auch das Match hatte nur Freundschaftsspielcharakter. Es ging ja schließlich um nichts mehr. Die erste Hälfte verbrachten wir im Block der örtlichen Ultras, die gut Stimmung machten. Leider waren aus dem gar nicht so weit entfernten Slubice weder optisch noch akkustisch erkennbare Fans angereist. Zum zweiten Durchgang positionierten wir uns dann auf der gegenüberliegenden Tribüne nahe der Ausgänge. Denn uns war bewusst, dass wir ca. 15 Minuten vor Schlusspfiff raus mussten, um den letzten Zug nach Berlin noch zu erwischen. Es ist sonst so gar nicht meine Art, ein Spiel - und sei es noch so belanglos oder langweilig - vor dem Ende zu verlassen. Und das sollte sich rächen: Gerade als wir die Tribüne verließen, um zum Bahnhof zu fahren, ertönte großer Jubel. 1:0 für Pogon. Sch…!
Zumindest erreichten wir gerade noch unseren Zug und mussten sogar noch erfahren, dass Polonia, die wirklich unterirdisch spielten, in der Nachspielzeit noch ausglich. Wie sie das zustandebrachten wird aber allen Beteiligten für immer ein Rätsel bleiben.
Demnächst auf diesem Kanal
28. Mai 2009Was ist denn hier los? Seit Wochen keine Aktualisierungen? Vielleicht machen sich einige schon Sorgen, während sich andere fragen: “Was macht er denn, der Bua?”
Er ist zumindest schwer beschäftigt, und Ursachen für die fehlenden Updates der letzten Wochen gibt es zahlreiche (wovon fehlende Zeit und Tücken der Technik ganz oben stehen).
Die Berichte, Fotos und Videos für den Monat Mai werden frühestens Ende Juni nachgereicht. Auf dem Programm standen spannende Exkursionen nach Polen, Schottland und Italien.
Pogon Stettin - Polonia Slubice 1:1
Glasgow Rangers - Glasgow Celtic 1:0
Parma FC - Vicenza Calcio 4:0
Atalanta Bergamo - US Palermo 2:2
Für mich ist jetzt erst einmal Sommerpause. Zumindest was den Ligabetrieb angeht. In Mazedonien und Albanien stehen derweil WM-Qualifikationsspiele an. Und welcher klar denkende, vernünftige Mensch möchte sich das schon entgehen lassen?












